Notfütterung
Notfütterung ?! Immer wieder ein Thema - nicht nur, aber auch für Profis
Februar/März
Rettung in letzter Minute: Warum die Notfütterung im Frühjahr so wichtig ist
Wenn im Frühjahr die Temperaturen langsam steigen, beginnt im Bienenvolk eine entscheidende Phase. Der erste große Reinigungsflug ist vorbei, die Königin hat die Brut wieder aufgenommen – und plötzlich wird das Futter knapp. Genau in dieser Zeit entscheiden wenige Tage, manchmal sogar Stunden, über das Überleben eines ganzen Volkes.
Der kritische Moment der Frühjahrsdurchsicht
Beim ersten gründlichen Blick in den Bienenstock zeigt sich oft das gleiche Bild: Die Vorräte sind fast aufgebraucht. In den letzten kalten Wochen wurde mehr Futter verbraucht als erwartet. Wenn dann ein Kälteeinbruch folgt, kann das fatal sein – die Brut braucht Wärme, und ohne ausreichend Futter können die Bienen sie nicht mehr versorgen. In dieser Situation hilft nur eines: eine gezielte Notfütterung.
Das Ziel: Durchhalten bis zur Obstblüte
Das wichtigste Ziel jeder Frühjahrsführung ist klar: Das Volk muss so lange unterstützt werden, bis die Obstblüte beginnt. Erst dann bringen die Bienen wieder genug frischen Nektar ein, um sich selbst zu versorgen.
In dieser Übergangszeit herrscht ein sogenannter „Scheren-Effekt“: Der Energiebedarf steigt stark an, weil immer mehr Brut gepflegt werden muss, während gleichzeitig das Wetter oft noch keinen regelmäßigen Flug zulässt. Deshalb kann auch ein kräftiges Volk plötzlich in Not geraten.
Kleine Mengen, große Wirkung
Bei der Notfütterung im Frühjahr zählt Präzision statt Masse. Im Gegensatz zur Winterfütterung wird jetzt nur sehr sparsam zugegeben – meist mit Futterteig. Diese kleinen Mengen liefern den Bienen genau die Energie, die sie für die Brutpflege brauchen, ohne dass später Futterreste in den Honig gelangen. So bleibt der erste Honig des Jahres unverfälscht und rein.
Empfehlung: Kontrolliere die Futtervorräte und lege bei Bedarf Futterteig nach, um Engpässe zu vermeiden.
Futter muss erreichbar bleiben
Genauso wichtig wie die Futtermenge ist der Ort, an dem das Futter angeboten wird. Da es im März und April nachts oft noch friert, dürfen die Bienen den engen Verband der Brutkugel nicht verlassen müssen, um Nahrung zu erreichen.
Das Futter sollte deshalb „bienensitznah“ liegen – also direkt dort, wo sich die Wintertraube befindet. Futterquellen in oberen Zargen wären in dieser Phase zu weit entfernt und für die Bienen unzugänglich.
Zwei bewährte Methoden
In der Praxis haben sich zwei Arten der Notfütterung mit Futterteig bewährt:
1. Die Futtertasche:
Hier wird der Teig in eine Futtertasche gefüllt, die direkt an den Rand des Bienensitzes gesetzt wird. Dafür entnimmt man am Rand zwei Rähmchen, damit Platz entsteht. So erreichen die Bienen das Futter leicht, ohne dass Wärme verloren geht.
2. Die Direktauflage:
Der Futterteig wird direkt auf die Oberträger der Rähmchen gelegt – also genau über die Bienen. Dafür wird der Teig aufgeschnitten, die Abdeckfolie kurz abgenommen, die Bienen mit etwas Rauch zurückgedrängt und der Teig flach aufgelegt. Danach wird der Stock wieder verschlossen.
Bei sehr kaltem Wetter kann man die Folie auch weglassen, damit die Wärme des Deckels direkt auf dem Teig bleibt und die Bienen ungehindert fressen können.
Fazit: Planung ist alles
Die Notfütterung im Frühjahr ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Ausdruck von Verantwortung. Wer seine Völker in dieser heiklen Übergangszeit aufmerksam beobachtet, verhindert Verluste und stärkt gleichzeitig die Entwicklung bis zur Blüte.
Ein genauer Blick in den Stock lohnt sich also – vielleicht ist heute genau der richtige Tag für eine kleine Kontrolle.