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Geheimnisse der Einwinterung:

8 Profi-Tipps, die über das Überleben Ihrer Bienen entscheiden können

Grundstein für das kommende Jahr

beginnt jetzt (Spätsommer ... Mitte August)

Sie stehen an einem spätsommerlichen Abend vor Ihren Völkern. Die Sonne wirft lange Schatten über das Flugloch, und eigentlich sieht alles friedlich aus. Doch ein leises Unbehagen bleibt: Reicht das Futter wirklich? Warum wirkt dieses eine Jungvolk so viel träger als seine Nachbarn? Und was hat es mit diesen lückenhaften Zellen auf sich?

In der Imkerei trennt sich genau hier die Spreu vom Weizen. Ein Profi verlässt sich nicht auf sein Glück oder ein vages Bauchgefühl. Erfolg am Bienenstand ist das Ergebnis präziser Beobachtung und der konsequenten Anwendung messbarer Indikatoren. Wer die Signale seiner Bienen sieht und zu deuten weiß, handelt proaktiv. Gehen Sie weg vom bloßen Hoffen und werden Sie zum Navigator Ihrer Bienenvölker.


1. Der Stäbchen-Test:

Ein Faden entscheidet hier über Leben und Tod

Ein gesundes Brutnest ist das Aushängeschild eines starken Volkes: gleichmäßig, kompakt, vital. Lückenhafte Zellen oder eingesunkene Deckel sind hingegen Alarmstufen. Greifen Sie in diesem Fall sofort zum sog. „Stäbchen-Test“. Führen Sie einen Zahnstocher in die verdächtige Zelle ein und ziehen Sie die Masse vorsichtig heraus.

Ihre Analyse: Zieht sich die Masse fadenförmig in die Länge? Dieser Faden entsteht, wenn spezifische Krankheitserreger das Gewebe der Larven bereits zersetzt haben. In diesem Moment ist „Hoffnung“ keine Strategie, sondern eine Gefahr für Ihren gesamten Bestand.

Handeln Sie sofort! Besteht der Verdacht auf eine anzeigepflichtige Brutkrankheit, lassen Sie das Volk geschlossen. Bewegen Sie kein Material mehr und informieren Sie unverzüglich das zuständige Veterinäramt. Der Rat eines Bienensachverständigen Deines Heimat-Bienenzuchtvereins genießt hier das Vertrauen und kann helfen!


bewährte Präzision

2. Das Federzugwaagen-Prinzip

Vergessen Sie allgemeine Tabellenwerte aus Lehrbüchern. Beuten- und Rähmchenmaße sind zu individuell für Pauschalaussagen. Nutzen Sie eine einfache Federzugwaage, diese bietet eine hervorragende Gewichtskontrolle ohne Elektronik und Sensorik. Das Prinzip basierend auf die Hebelwirkung: Die Summe aus Front- und Rückgewicht ergibt das Gesamtgewicht.

So ermitteln Sie den unteren Referenzwert:

  1. Richten Sie den Wintersitz des Volkes final ein.
  2. Stellen Sie sicher, dass bereits ein Grundvorrat von 5–10 kg vorhanden ist.
  3. Hakeln Sie die Federzugwaage nacheinander vorne und hinten an der Beute ein.
  4. Heben Sie die Beute jeweils nur minimal an (Vermeiden Sie das Kippeln!).
  5. Addieren Sie beide Messwerte. Dies ist Ihr individueller Nullpunkt für den Winter.

Wiederholen Sie dies nach der Einfütterung für den oberen Referenzwert. Im Frühjahr wissen Sie exakt, solang der untere Wert nicht unterschritten wird, ist auch keine Notfütterung nötig.


3. Die „harte“ Entscheidung:

Zwischen Hoffen und Auflösen?

Ein häufiger Fehler von Anfängern ist das „Durchschleppen“ schwächelnder Jungvölker. Ein Bienenvolk ist nie isoliert zu betrachten: Bewerten Sie es immer im direkten Vergleich zu seinen Schwestervölkern. Wenn ein Volk bei gleichen Bedingungen stagniert, lückenhafte Arbeiterinnenbrut aufzeigt oder gar „drohnenbrütig“ ist, hat auch in der Natur wenig bis keine Chancen.

Seien Sie konsequent! Ein schwaches Bienenvolk ist nicht Zeit- und Ressourcenschonend.

  • Entfernen Sie die Königin.
  • Bringen Sie die Beute mindestens 30 Meter vom Standplatz weg.
  • Fegen Sie die Bienen ab und schmelzen Sie die Alt-Waben unverzüglich ein.

» Prinzip Hoffnung ist zuweilen fehl am Platz «


4. Strategische Fütterung

oder auf oberhessisch: ei ei ei ei ei ei ei!

Die Reizfütterung soll den versiegenden „Nektarstrom“ simulieren und die Königin zur Eiablage motivieren. Doch Vorsicht: Bevor Sie starten, sollten zwingend 1 bis 2 volle Futterwaben als Sicherheitsreserve im Volk vorhanden sein.

Um den Bruttrieb zu fördern, ohne eine Katastrophe auszulösen, beherzigen Sie diese Regeln:

  • Füttern Sie ausschließlich abends: Wenn der Flugbetrieb nachlässt, sinkt das Risiko, dass fremde Späher angelockt werden.
  • Passen Sie das Flugloch an: Eine große Bodenöffnung ist für ein Bienen-Jungvolk unmöglich zu verteidigen. Regel: Das Flugloch darf zur Einfütterung eine Höhe von maximal 1 cm nicht überschreiten.

5. Räuberei-Notfallplan

Wasser marsch!

Räuberei ist wie ein Flächenbrand am Bienenstand. Wenn Sie massives Stechen und chaotischen Flugbetrieb an den Fluglöchern bemerken, zählt jede Sekunde.

Stoppen Sie sofort jede Tätigkeit! Schließen Sie das aktuell bearbeitete Volk und verstauen Sie alle Waben und Futterreste absolut bienendicht. Merken Sie sich: Sobald die Räuberei beginnt, ist jede geöffnete Beute am Stand ein potenzielles Ziel. Beruhigt sich die Lage nicht, setzen Sie Wasser ein. Ein Gartensprenkler simuliert schlechtes Wetter vor der Bodenöffnung und zwingt die Räuber zum Rückzug. Engen Sie parallel alle Fluglöcher auf ein Minimum ein.


6. Hierarchie des Futters

Reizung vs. Risiko!

Jedes Futtermittel hat ein spezifisches Profil aus Reizwirkung und Risiko der Räuberei. Nutzen Sie dieses Knowhow strategisch:

  1. Honiglösung: Maximale Reizwirkung, aber extrem gefährlich (höchstes Risiko der Räuberei).
  2. Zuckerlösung: Ein Standard zur Hauptbienenfütterung.
  3. Futterteig!: Geringste Reizwirkung zu Beginn der Fütterungszeit dafür die sicherste Methode! Die Königin hat Zeit und Platz zur Eiablage für ihre Winterbiene!

 


Der Profi-Trick für Jungvölker: Nutzen Sie eine Futtertasche mit Futterteig. Dies ist eine geniale „2-in-1“-Lösung. Der Teig sorgt für einen langsamen, stetigen Futterstrom ohne Risiko zur Räuberei, während die Futtertasche gleichzeitig als Schied fungiert. Das hält das Volk kompakt und verbessert die Thermik im Brutraum.


7. Sichtbare Warnsignale

Was die Flügel verraten

Glauben Sie niemals, dass eine Varroa-Behandlung erfolgreich war, nur weil sie durchgeführt wurde. Kontrollieren Sie das Ergebnis direkt an den Bienen. Suchen Sie nach ungewöhnlich kleinen, schwarzen Arbeiterinnen oder Bienen mit verkrüppelten Flügelchen.

Diese optischen Merkmale sind der Beweis für einen massiven Varroa-Befall während der Entwicklungsphase der Larven. Wenn Sie solche Signale sehen, ist die Wirksamkeit Ihrer bisherigen Behandlung (z. B. mit Ameisensäure ad.us.vet.) sofort zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern.


Attraktivität macht doch sexy!

8. Umweiseln mit System

Der beste Zeitpunkt für eine neue Königin ist unmittelbar nach der Einfütterung. Zu diesem Zeitpunkt ist eine junge, legestarke Weisel für das Volk biologisch hochattraktiv, während die alte Königin hormonell abbaut. Dies garantiert eine deutlich höhere Annahmequote.

Besonders effektiv ist die Methode bei einer totalen Brutentnahme (für Bienprofis: TBE! gell). Folgen Sie exakt dieser Sequenz:

  1. Entnehmen Sie die komplette Brut.
  2. Käfigen Sie die alte Königin für den Übergang.
  3. Führen Sie eine Behandlung mit Ameisensäure ad.us.vet. im brutfreien Zustand durch.
  4. Ersetzen Sie die alte Königin durch die neue Weisel unter Futterteigverschluss.

Ausblick & Fazit

Erfolgreiches Imkern ist kein Hexenwerk, sondern die Summe aus mutigen Entscheidungen und präzisen Daten. Wer den Stäbchen-Test beherrscht, sein Beutengewicht kennt und im Notfall hart durchgreift, wird mit gesunden, winterharten Völkern belohnt.

Hinterfragen Sie Ihre routinierte Betriebsweise: Vertrauen Sie bei der nächsten Einwinterung noch Ihrem Bauchgefühl, oder setzen Sie auf messbare Referenzwerte und das Federzugwaagen-Prinzip?